Folge #4: Konturen einer global gerechten Stadt
Shownotes
"In Städten des Globalen Nordens gibt es sehr viel Globalen Süden, wir müssen uns nur die soziale Ungleichheit anschauen." Niloufar Tajeri
"Die Profiteure der Wertschöpfungsketten sorgen nicht nur für koloniale Abhängigkeiten, sondern sind maßgebliche Treiber der Klimakrise und sind hier vor Ort lokal eingebunden in die Wachstumskoalitionen." Anton Brokow-Loga
Unsere Gesprächspartner*innen:
Niloufar Tajeri: Übersicht zur Person
Anton Brokow-Loga: Übersicht zur Person
Weiterführende Links:
I.L.A.-Kollektiv (Imperiale Lebensweise und solidarische Alternativen)
Brand, U., & Wissen, M. (2018). Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. Oekom Verlag.
ICLEI - Local Governments for Sustainability
Climate Alliance - European municipalities in partnership with indigenous peoples
Initiative „Berlin aktiv im Klima-Bündnis“
C40 Cities - globales Netzwerk von Bürgermeister*inen der führenden Städte der Welt, die gemeinsam gegen die Klimakrise vorgehen.
Informationen zu Malcolm Ferdinand (Umweltwissenschaftler)
IPCC – Intergovermental Panel on Climate Change
Veröffentlichung: 24/7 Berlin Global Gerecht – Gemeinsam die Stadt verändern: Wir haben Impulse aus den Panels der 24/7 BER-Konferenz vom 20. September 2024 festgehalten und in Interviews weitere Reflektionen aus den Aktivitäten gesammelt.
Transkript anzeigen
00:00:00: Liebe Söhren, der ist begrüßt euch serter Stünder vom Berlin Entwicklungspolitischen
00:00:14: Ratschlag.
00:00:15: Ich bin politischer Referent hier beim BEV mit den Schwerpunktthemen "Faire Kombonum
00:00:22: und Faire Ekonomin".
00:00:24: Willkommen zu unserem Podcast mit der vierten Folge heute und der Austausch steht heute
00:00:29: im Kontext unserer Konferenz, die wir am 20.
00:00:33: September umgesetzt hatten.
00:00:35: Unser Kernanliegen bei der Konferenz war, wie wir unsere Stadt global gerechter gestalten
00:00:41: können und am 20.
00:00:42: 9.
00:00:43: hatten wir mehr als 20 Aktivitäten am einen Tag umgesetzt und sind auch in Folge der Konferenz
00:00:51: dann auch mit den Workshopleiten dann noch bei uns Gespräch gegangen und haben Interviews
00:00:57: gemacht und in Orientierung an diesen Gesprächen findet hier heute unser Austausch statt.
00:01:04: Ich freue mich Nilo Faratajedia und Anton Brokov-Lochja, berufen zu dürfen.
00:01:09: Ihr wart ihr Gäste auf der Konferenz gewesen bei den beiden Hauptpennes.
00:01:15: Den ersten Hauptpennen ging es ja um die global gerechte Gestaltung der sozial-ökologischen
00:01:21: Transformation in den Städten und das zweite Hauptpennen hatte das Thema Machtkritik und
00:01:26: Kooproduktion als Grundlage der Stadtentwicklung und wir nehmen das Treffen heute zum Anlass
00:01:32: um die Brücke zwischen dem ersten und zweiten Hauptpennen zu schlagen.
00:01:37: Nilo Faratajedia war ja beim zweiten Penne mit dem Thema Machtkritik und Kooproduktion
00:01:41: auf dem Podium und Anton bei dem ersten Podium zur sozial-ökologischen Transformation.
00:01:48: Ja, ich freue mich hier zwei Stadtforscherinnen begrüßen zu dürfen.
00:01:54: Nilo Far, fangen wir mit dir an.
00:01:56: Ja, danke für die Einladung auf jeden Fall.
00:01:59: Genau, ich bin Nilo Faratajedia, ich bin Architekturforscherin,
00:02:03: forsche aber eben auch an der Schnittstelle zur Stadtforschung und beschäftige mich mit
00:02:07: der Wohnungsfrage und auch mit städtischen Transformationen wie der Gentrifizierung
00:02:13: zum Beispiel immer aus der architekturtheoretischen Perspektive, also immer unter der Fragestellung
00:02:17: welche Rolle spielt Architektur und beschäftige mich eben mit der Stadt unter Fragestellung
00:02:24: dekolonialer Ökologie und also ganz generell der Frage wie kann man ein Zusammenleben
00:02:31: auf einer gerechten Basis erst mal konzipieren und setze mich immer auch damit auseinander,
00:02:37: wie wird das dann eigentlich in der Stadt umgesetzt?
00:02:39: Ja, danke dir, du hast auch eine aktivistische Seite, glaube ich, und bist dann hermer und
00:02:45: platz auch in den Geschehnissen mit drin gewesen, aber vielleicht kommen wir später dann noch
00:02:49: mal dazu.
00:02:50: Ja, Anton, mit was beschäftigst du dich, wenn du nicht gerade hier bei so einer Podcast-Softnahme
00:02:57: dabei bist?
00:02:58: Ja, genau, ich beschäftige mich mit Stadt-, Entwicklungspolitik, Stadtplanung aus einer
00:03:05: global gerechten Perspektive, auch in Bezug auf ökologische Transformationsprozesse.
00:03:11: Ich bin hier an der Bauhaus-Universität in Weimar tätig, ursprünglich auch Berliner,
00:03:16: aber seit einigen Jahren handelt mich hier die Stadt Weimar auch sehr gut für mich
00:03:20: hier sehr wohl und bin hier an der Bauhaus-Uni im Bereich Architektur und Urbanistik an
00:03:26: der Professur Sozialwissenschaftliche Stadtforschung.
00:03:28: Promovier zu diesen Transformationsprozessen und hab auch ansonsten das Privileg eben sehr
00:03:34: viel Hochschullehrer mit ganz engagierten Studierenden machen zu dürfen.
00:03:38: Zu den Themen Wohnungspolitik zum Teil, auch zu dem Thema Globalisierungskritik, nur zum
00:03:45: anderen kleinen Teil.
00:03:46: Ein Fokus haben schon auch die sozialwissenschaftlichen Methoden und das Thema Postwachstumsstadt.
00:03:51: Das ist so eines meiner Kernanliegen.
00:03:53: Also wie bekommen wir eigentlich eine Wachstumskritik in Stadtplanung und Stadtforschung stärker
00:03:58: rein?
00:03:59: Wie können wir ein gutes Leben für alle innerhalb planetarer Grenzen ermöglichen?
00:04:04: Das ist so eines meiner Kernanliegen dazu publiziere ich und versuche mitmöglichst,
00:04:08: vielen Menschen in den Austausch zu treten und freue mich jetzt auch sozusagen hier nochmal
00:04:11: die Globalisierungskritische Perspektive mit zu integrieren oder mit zu besprechen mit
00:04:17: euch und ich will das zumindest nicht komplett aus dem Vorlassen.
00:04:21: Ich verstehe mich auch als Aktivist neben der Lohnarbeit.
00:04:24: Also bin ich auch zum Beispiel im ILA-Kollektiv tätig und mache da sozusagen erwachsenden
00:04:29: Bildungen, Workshops zu den Themen imperiale Lebensweise.
00:04:32: Ich bin auch da sozusagen eher in der Bildungsarbeit und bin seit sechs Jahren hier im Stadtrat
00:04:37: von Weimar auch.
00:04:38: Das kann sozusagen nochmal erklären.
00:04:41: Deswegen ich manchmal ein paar Beispiele habe, wie das in der Praxis aussieht in der
00:04:46: Mittelstadt.
00:04:47: Aus Berlin geblickt eher Provinz wahrscheinlich, aber sozusagen die ganz realen verwaltungsbezogenen
00:04:53: Prozesse.
00:04:54: Genau.
00:04:55: Ja, freue mich aufs Gespräch.
00:04:56: Ja, vielleicht habe ich das vergessen auch zu erwähnen.
00:04:58: Anton ist aus Weimar uns zugeschaltet und es ist auch toll, dass ihr euch mit zwei verschiedenen
00:05:04: Städten auseinandersetzt.
00:05:06: Dann haben wir schon mal den Vergleich zu zwei Städten, aber die erste Frage, die
00:05:11: senkt ich auch an diese Dimension an.
00:05:14: Also wie wir wissen, kommen ja viele Probleme in unterschiedlichen Städten vor.
00:05:20: Also wie beispielsweise der Ausverkauf der Stadt damit zusammenhängen, Mietsteigerungen,
00:05:26: massiver Sozialabbau, was wir derzeit auch erleben und viele andere Probleme.
00:05:31: Die Global in unterschiedlichen Städten vorkommen und Städte sind ja auch Ballungszentren, wo
00:05:37: ja im Grunde eine gewisse Widerstandspotenzial organisiert werden kann.
00:05:43: Meine Frage wäre, wie können sich Städte stärker miteinander solidarisieren?
00:05:47: Was solltet ihr sagen oder habt ihr Erfahrungswerte dahingehend?
00:05:50: Also ich denke, dass in den Fragestellungen die Städte ähnlich betreffen.
00:05:57: Auf jeden Fall schon unterschiedliche Vernetzung stattgefunden haben, also zur Mietenfrage
00:06:03: definitiv.
00:06:04: Da gibt es unterschiedliche Netzwerke, die sich da eben bereits gegründet haben.
00:06:10: Da findet Ausstausch statt Konferenzen, unterschiedliche Veranstaltungen.
00:06:15: Da denke ich, gibt es auf jeden Fall schon sehr viel innerhalb von Europa.
00:06:19: Da, wo ich eben sagen würde, wo es mehr Partnerschaften bräuchte, ist eben zwischen auch nicht unbedingt
00:06:27: nur Städten, sondern einfach auch Lebensbereichen, Lebensräumen, die sich halt eben ballen oder
00:06:34: auch nicht, zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden.
00:06:37: Ich finde, da braucht es viel mehr Wissen in unseren Städten darüber, wie unsere Städte
00:06:43: eigentlich zusammenhängen mit ganz anderen Regionen im globalen Süden, sei es jetzt
00:06:48: mit dem Regenwald in Kongo oder mit Indonesien, weil unsere Städte werden gebaut mit Materialien,
00:06:55: die an diesen Orten abgebaut werden, teilweise sogar komplett ohne dass wir das zurückverfolgen
00:07:00: können.
00:07:01: Und ich denke eben, dass es da, wenn es mehr Bewusstsein gäbe, auch mehr Solidarität
00:07:06: geben könnte.
00:07:07: Das ist vielleicht mal ein Versuch, dass deine Frage vielleicht nicht direkt zu beantworten,
00:07:13: sondern so ein bisschen zu öffnen, zu sagen, Städtepartnerschaften, ja, es kommt darauf
00:07:16: an, auch in welche Richtung, es kommt auch darauf an, mit welchem Zweck und das ist
00:07:22: erstmal die Grundlage, damit Solidarität entstehen kann.
00:07:25: Es ist auf jeden Fall gut in Weise und führt mich auch zu zweiten Frage, aber bevor ich
00:07:31: zu der anderen Frage übergebe, würde ich dieselbe Frage gerne an Anton richten.
00:07:36: Was meinst du, wie eine stärkere Solidarität zwischen den Städten hergestellt werden
00:07:42: kann, was denn zu deiner Sicht beiseinander dazu?
00:07:45: Ja, danke.
00:07:46: Ich glaube, es kann auch sehr gut, dass von Herrn Lielufer gesagt weiterführen.
00:07:51: Ich glaube, notwendig ist dabei erstmal eine Differenzierung, was genau wir eigentlich
00:07:55: mit Stadt meinen.
00:07:56: Also wir können das beziehen auf die Stadtverwaltungen.
00:07:59: So wird es häufig betrieben, aber eben wie Lielufer auch das eben betont hat, auch
00:08:03: auf die Stadtgesellschaft, auf die Zivilgesellschaft, auf soziale Bewegung.
00:08:07: Ich glaube, beides hat eine Legitimation, beides ist relevant zu betrachten, wenn wir uns
00:08:12: über diese Beziehungen zwischen Städten unterhalten.
00:08:15: Und ich würde eine andere Nourisierung einführen.
00:08:18: Ich glaube, ich würde sagen, in Bezug auf Wohnen, auf Mietenpolitik, auf Polarisierung,
00:08:24: in Sozialabbau, alle die Themen, die du am Anfang genannt hast, gibt es sehr viel Austausch
00:08:29: in sozialen Bewegungen.
00:08:30: Da bin ich ganz bei dir.
00:08:32: Aber auf der anderen Seite, obwohl das total städtische, stadtpolitische Themen sind,
00:08:38: da müssen sich die Vernetzung, die Verbindung zwischen den Stadtverwaltungen und auch zum
00:08:43: Beispiel das gemeinsame Agenda-Setting auf den höher geordneten Ebenen total.
00:08:47: Andere Beispiele wären Klimapolitik und Integrationspolitik.
00:08:51: Da gibt es Stadtnetzwerke, die nennen sich im Bereich Klimapolitik zum Beispiel C40,
00:08:56: E-Clay oder Klimabündnis, Climate Alliance.
00:08:59: Total spannende Zusammenschlüsse, die wirklich geschafft haben, zum Beispiel die Handlungsfähigkeit
00:09:05: von Städten auf einer globalen Ebene im Bereich der Klimapolitik viel sichtbarer zu machen.
00:09:10: Die haben sich einen Platz am Verhandlungstisch bei den Weltklimakonferenzen erarbeitet,
00:09:14: beispielsweise jahrelanges, jahrzehntelanges Agenda-Setting von Stadtverwaltung, prinzipiell,
00:09:19: die miteinander in Austausch getreten sind, immer wieder natürlich unterstützt und bereichert
00:09:23: von Menschen aus sozialen Bewegungen.
00:09:25: Auf der anderen Seite auch eben das Migrationsthema, also sozusagen da Stadtnetzwerke, die teilweise,
00:09:31: nämlich an städtessichere Hafensebrücke, eben von Aktivist*innen aufgebaut wurden,
00:09:36: aber teilweise wie jetzt mit Potsdam, auch eine Stadt, die sehr prominent oder Braunschweig
00:09:41: jetzt auch beispielsweise Patenschaften für bestimmte Schiffe in der zivilen Seenotrettung
00:09:46: übernommen haben.
00:09:47: Also auch hier würde ich sagen, da ist ganz viel Potenzial drin, aber je nach Themenbereich
00:09:53: unterschiedlich nassiert, ob das eher aus sozialen Bewegungen oder eher aus der Stadtverwaltung
00:09:58: kommt.
00:09:59: Hier lohnt es sich eigentlich die Erfolgsprozesse anzuschauen, wie Agenda-Setting geklappt hat.
00:10:05: Am Ende muss ich aber sagen, sind die Erfolge dann auch manchmal überschaubar, weil natürlich
00:10:11: die Ressourcen sehr begrenzt sind.
00:10:13: Wir hier über viel ehrenamtliches Engagement, unbezahltes Engagement sprechen, Stadtverwaltung,
00:10:19: auch vor allem mit dem Problem konfrontiert sind, dass jahrelange Austeritätspolitik,
00:10:23: jahrelange Einsparungszwänge dazu geführt haben, dass wir gar nicht mehr das Personal
00:10:28: haben, dann am Ende die notwendigen Veränderungen, die notwendigen Maßnahmen auch durchzuführen.
00:10:33: Ja, das ist, wo meine Frage darauf hinzielt, ist natürlich, dass wir im lokalen Problemlagen
00:10:40: erfahren, die global gemacht sind und das Interessante wären, wo auch Nilufer darauf
00:10:47: hingewiesen hat, dass wir auch in Agenda-Setting diese globale Dimension mit Frame sozusagen
00:10:55: oder das unterstützten Projekt innerhalb des Themenbereichs Südnordpartnerschaften
00:11:00: zu entwickeln, ist eine gute Maßnahme, um das Bewusstsein im lokalen für globale Themen
00:11:06: zu stärken.
00:11:07: Was ist eure Erfahrung?
00:11:09: Wie seht ihr das?
00:11:10: Also welche Transformationskraften müsst ihr den Nordpartnerschaften zu, die in Form
00:11:15: von Schulpartnerschaften oder kommunale Partnerschaften oder Projektpartnerschaften, Klimapartnerschaften
00:11:22: vorkommen?
00:11:23: Natürlich gesteht ihr den hohes Potenzial erst mal zu, ich glaube, dass wir ohne diese
00:11:27: Partnerschaften jetzt an einer ganz anderen Stelle stehen würden und ich glaube, das
00:11:31: bezieht sich einerseits auf den Austausch von Informationen, auf sozusagen das Lernen
00:11:36: voneinander, aber ganz besonders eben, wirklich hervorheben, auch Exkursionen zueinanderfahren,
00:11:42: Mobilität von Menschen, insbesondere auch von Menschen in Stadtverwaltungen, also
00:11:47: Menschen, die sozusagen dann doch eine ähnliche Sprache sprechen, auch wenn sie vielleicht
00:11:52: Übersetzer*innen brauchen, ist sozusagen das Verwaltungshandeln in vielen unterschiedlichen
00:11:58: Kontexten, ob Nord, ob Süd, ob West, ob Ost, ähnlich.
00:12:02: Und die Probleme, vor denen sozusagen diese einzelnen Verwaltungsstrukturen stehen dann
00:12:07: auch ähnlich und deswegen kann es sich sehr lohnen, das hat die Forschung der letzten
00:12:11: Jahrzehnte gezeigt, wirklich dieses Policy Learning, diese in den Austausch zu gehen.
00:12:16: Aber wir dürfen da nicht vergessen, dass das wirklich nur einige wenige privilegierte Menschen
00:12:20: sind und dass globale Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt ist.
00:12:23: Und der Punkt, den ich hier vor allem machen möchte, ist Süd-Nord-Partnerschaften unbedingt,
00:12:28: aber lasst sie uns auf jeden Fall Hierarchie sensibel machen, lasst sie uns Macht-Kritisch-
00:12:33: Herrschaftskritisch machen, also immer überlegen, okay, aus welcher Position die nur durch
00:12:38: Kolonialismus entstanden ist, wird diese Partnerschaft überhaupt initiiert?
00:12:41: Wer hat welche Sprechfähigkeit?
00:12:43: Von wem wird was gelernt?
00:12:45: Ist das keine trivialen Fragen, finde ich.
00:12:48: Ein Beispiel, was ich dafür immer gerne nutze und auch auf der Konferenz benutzt habe,
00:12:52: sind die sogenannten Klimadrillinge.
00:12:54: Drei Städte haben sich zusammengeschlossen, und zwar sind das Düsseldorf in Deutschland,
00:12:59: Toulouse in Südfrankreich und Tunis in Tunesien.
00:13:03: Und Kernanliegen dieses Projekts ist eine Partnerschaft herbeizuführen, wo vor allem
00:13:10: gelernt wird, wie man Klimaanpassungsmaßnahmen durchführt und dabei eben voneinander lernt.
00:13:16: Und der Ausgangskontext ist ganz wichtig, nämlich wie kommt es zu dieser Konstellation?
00:13:21: Zunächst hat Toulouse begonnen, eben von Tunis zu lernen, weil prognostiziert wurde,
00:13:26: dass zum Ende dieses Jahrhunderts die klimatischen Voraussetzungen von jetzt Tunis dann in Toulouse
00:13:32: sein werden.
00:13:33: Das heißt, da ist so ein klarer Wissenstransfer im Vordergrund gewesen.
00:13:36: Dann kam sozusagen noch hinzu Düsseldorf, Toulouse, weil da die gleiche oder ähnliche
00:13:42: Voraussetzungen waren.
00:13:43: Und Düsseldorf wird am Ende des Jahrhunderts die gleichen klimatischen Voraussetzungen haben
00:13:47: wie Toulouse.
00:13:48: Also immer diese Frage, okay, technische, städtebauliche Lernerfahrungen mal weiterzugeben,
00:13:53: Prozesse, Governance, Konstellation, alles schön und gut, alles total richtig, denke ich.
00:13:57: Also weil wir, ich finde es war ein starker Verfechter davon, wirklich die Emissionsreduktion
00:14:02: jetzt in den Blick zu nehmen, also Klimaschutz vor allem aus der Brille der CO2-Reduktion
00:14:06: zu betrachten.
00:14:07: Aber natürlich müssen wir auch in Angesichts, auch gerade der sozialen Vulnerabilitäten,
00:14:13: der notwendigen Anpassung unserer Städte auch darüber sprechen, was bedeutet das für
00:14:17: Versiegelungen, was bedeutet das für Verschattungselemente für Stadtgrün und so weiter.
00:14:22: Ohne Frage, aber bei diesem Konstrukt, was ich gerade geschildert habe, fehlt doch total
00:14:26: eigentlich die Perspektive für Tunis, also für die Stadt im sogenannten globalen Süden,
00:14:32: die sozusagen unter der anthropogenen Klimaerhitzung am stärksten leiden wird.
00:14:39: Und das auch insbesondere auf Grundlage der im realen Lebensweise dieses Niederschläge
00:14:44: auch in Stadtentwicklungspolitiken.
00:14:46: Also es ist so ein Beispiel für eine Partnerschaft, die sich irgendwie in den jeweiligen Ratsblättern
00:14:52: und in den Auftritten der Stadtverwaltung total gut anhört und total sozusagen am Menschen
00:14:58: ausgerichtet orientiert ist.
00:14:59: Aber ich finde aus einer globalen Perspektive ist das Beispiel eigentlich an Zynismus nicht
00:15:05: zu überbieten.
00:15:06: Was werden die Lebensbehältnisse am Ende des 21.
00:15:10: Jahrhunderts, wie werden die Aussehen in Tunis und was kann Partnerschaft dazu beitragen,
00:15:15: finde ich die relevante Frage.
00:15:17: Du liefst mir eigentlich gute Überleitungsabschlüsse sozusagen zu den jeweiligen Themen.
00:15:22: Aber in dem Fall, wirst du noch so Süd-Nord-Partnerschaften was ergänzen?
00:15:27: Ja, also auf jeden Fall, wie gesagt, ich finde das Beispiel von Anton sehr aufschlussreich.
00:15:34: Also wir sehen, wie es eine gewisse Richtung gibt in den Partnerschaften.
00:15:40: Und dass es eben vor allen Dingen bestimmte Asymetrien gibt in der Art und Weise, wie Partnerschaft
00:15:46: heute überhaupt konzipiert werden kann, würde ich behaupten, aufgrund einer historisch
00:15:52: bedingten Asymetrie, die eben einerseits eine gewisse Kolonialität hat in der Art und
00:15:57: Weise, wie Partnerschaften konzipiert werden, wer gehört, wer nicht, in welche Richtung
00:16:03: Wissen fließt und in welche Richtung nicht.
00:16:06: Umweltwissenschaftler Marko Ferdinand, er nennt das einen doppelten Bruch innerhalb
00:16:11: der Klima-Diskussion, innerhalb der ökologischen Bewegungen genauso wie der unterschiedlichen
00:16:17: Institutionen, die sich gebildet haben.
00:16:19: Und er spricht von einem doppelten Bruch, den er einerseits den kolonialen Bruch nennt
00:16:25: und andererseits den ökologischen Bruch.
00:16:28: Er erklärt das so, dass es sozusagen getrennt wird, dass die ökologische Frage gleichzeitig
00:16:34: auch eine koloniale Frage ist.
00:16:35: Und dass es sozusagen in der Art und Weise, wie verstanden wird, was zu tun ist, immer
00:16:41: wieder ausgegrenzt wird, dass das auch zentral, und zwar nicht mit auch, sondern zentral eine
00:16:49: Frage des kolonialen Aufbaus der Welt ist.
00:16:51: Und den Vorschlag, den Marko Ferdinand macht, ist eben nicht Partnerschaften, sondern eine
00:16:57: Konzentrierung der Fragestellung im globalen Süden zu vollziehen.
00:17:03: Also sein Vorschlag ist und seiner Perspektive aus und seine Analyse aus zu sagen, wir müssen
00:17:09: verstehen zum Beispiel, was in der Karibik passiert, weil das einerseits genau der Ort
00:17:15: ist, an dem die moderne Plantagen sozusagen Ökonomie konzipiert wurde mit Sklavenhandel,
00:17:23: mit der Ausbeutung der Erde, mit der Ausbeutung des Menschen und gleichzeitig das eine der
00:17:28: Orte ist, die im Moment vor allen Dingen vom beiden Dingen am stärksten betroffen ist.
00:17:33: Und was wir aber eben feststellen, ist zum Beispiel das Wissen über Klimamenpassung,
00:17:38: über Ökologie, über den Umgang der sozialen Frage innerhalb der Ökologie, der globalen
00:17:42: Frage, die in der Karibik produziert wird, dass wir darüber fast keinen Wissen haben.
00:17:47: Oder dass das sozusagen keine zentrale Rolle spielt in der Art und Weise, wie wir zum Beispiel
00:17:52: über Klimaanpassung in Europa nachdenken.
00:17:55: Und was ich eben daraus lerne, ist in dem Moment, und jetzt komme ich ganz stark zurück
00:18:00: so in die lokale Fragestellung, in dem Moment, in dem ich die Frage der Klimaanpassung unserer
00:18:06: Städte auf technische Fragestellung reduziere, reproduziere ich genau diese Problematik,
00:18:13: weil wir eigentlich im globalen Norden auch nicht von einer Stadt sprechen können, die
00:18:20: nur global nördlich ist.
00:18:22: Also wir haben bestimmte Dinge an sozialer Ungleichheit, Kolonialitäten, die sich in
00:18:27: unseren Städten spiegeln.
00:18:29: Ich als Architektin aber, wenn ich mir zum Beispiel bestimmte Orte in der Stadt anschaue,
00:18:35: lerne ich immer durch eine bestimmte koloniale Brille diese Orte zu betrachten.
00:18:39: Also ich schaue auf Neukölln, das ist sozusagen der Ort, über den ich forsche, mit einer bestimmten
00:18:44: Brille.
00:18:45: Wir brauchen gar nicht auf das Niveau zu gehen, der, sag ich mal, Presse, die dann von sozialem
00:18:50: Brennpunkt spricht oder keine Ahnung.
00:18:53: Andere eben durchaus von rassistischen Stereotypen geprägten Wissensbeständen.
00:18:58: Aber ich schaue auf dieses Viertel, in dem ich denke, hier muss was verbessert werden.
00:19:02: Das an sich ist schon ein Problem.
00:19:04: Weil bevor wir lernen zu verstehen, was ist das für ein Ort und dieses Verstehen, was
00:19:10: das für ein Ort ist, nicht unbedingt verstehen wollen, wie kann ich ihn verbessern.
00:19:15: Das sind zwei unterschiedliche Dinge.
00:19:17: Ist etwas, was wir neu lernen müssen.
00:19:19: Das heißt zu verstehen, hier gibt es einen Ort, das ist vor allen Dingen ein Ort, an
00:19:25: dem Menschen leben.
00:19:26: Das ist die Welt von bestimmten Menschen.
00:19:28: Also kann ich nicht sagen, das ist eine Stadt, das ist auch eine Welt.
00:19:33: Und in dem Moment, in dem ich diese Perspektive einnehme, kann ich nicht nur darauf schauen,
00:19:38: wie grün es ist oder wie müssen die Straßenverkehrs beruhigt werden oder braucht es mehr Fahrradwege
00:19:43: und verkehrsberuhigte Zonen.
00:19:45: Sondern ich muss verstehen, wie gehen die Menschen an diesem Ort mit ihrer Natur.
00:19:50: Da verwische ich absichtlich diese Grenze, die wir im Kopf haben zwischen sozusagen Kultur
00:19:55: und Natur, um zu klar zu machen, dass wir, wenn wir mit dieser Brille drauf schauen,
00:20:01: wir viel mehr lernen können.
00:20:02: Auch hier an diesem Ort, also dem globalen Norden, in dem es aber ganz viele globalen
00:20:08: Süden gibt.
00:20:09: Und wir können also sozusagen auch hier starten.
00:20:12: Natürlich müssen wir auch sozusagen vom globalen Süden lernen, aber das bedeutet für mich
00:20:17: nicht partnerschaftlich in dem Sinne, sondern zentrieren, also ins Zentrum setzen und gleichzeitig
00:20:24: aber auch lokal aktiv werden auf eine andere Art und Weise, als es über die Artikulation
00:20:30: von Polices, von verwalterischen Tätigkeiten und so weiter möglich wird.
00:20:35: Und das ist ein Grund oder etwas, was ich eben durch dieses Umdenken, also ganz stark
00:20:40: von Malcolm Ferdinand geprägt, auch Mitnehmer sozusagen in meine Forschung und in meine
00:20:45: Praxis, Städte und Menschen nicht zu Objekten zu machen oder zu Gegenständen, sondern als
00:20:51: das zu begreifen, was sie sind, nämlich eine Welt, die sozusagen von ganz komplexen Dingen
00:20:57: geprägt sind, die eben diese Kultur-Natur-Trennung, die wir sehr stark im Kopf haben, jeden
00:21:03: Tag eigentlich auch überwinden.
00:21:05: Und was passiert, wenn ich zum Beispiel auf einen Viertelschauer und das verstehe, das
00:21:09: ist, das ist die Welt, das ist Natur, das ist Kultur, das ist alles zusammen, das ist
00:21:13: der globale Süden, das ist der globale Norden und dann zu verstehen, es gibt bestimmte Positionierungen
00:21:19: auch in unserer Stadt, die müssen erstmal verstanden werden.
00:21:22: Also so wie ich das wahrnehme, wie du den Prozess oder die Situation darstellst, Nilova,
00:21:29: merke ich, das ist im Grunde eine Art der Kolonisierung-Prozess bei sich selbst, um zu lernen, um zu denken
00:21:36: und wie du sagst, künstliche Trennung von Kultur und Natur oder von Umwelt und Mensch,
00:21:42: aber das ist im Grunde ja eine der Kolonisierung, die wir auch in uns selbst erleben, aber vielleicht
00:21:48: sollte man auch einen Schritt zurückgehen und ich beziehe mich auch auf den Erfahrungen,
00:21:53: die wir im Rahmen der Konferenz gemacht haben.
00:21:55: Es wurde an uns rückgespiegelt, dass Bewusstsein über die Kolonialgeschichte Deutschlands relativ
00:22:01: gering ist, ein bisschen zu gar nicht vorhanden.
00:22:05: Es gab auch Erfahrungen, wo mir berichtet wurde, dass Teilnehmende gab, die sich darüber gewundert
00:22:11: haben, dass Deutschland überhaupt eine koloniale Vergangenheit hat.
00:22:15: Also in diesem Stadium sind wir im Grunde, also es hat sich im Vergleich zu früher einiges
00:22:20: natürlich weiterentwickelt.
00:22:22: Die Frage ist natürlich, wie wir das Thema Postkolonialität und Dekolonisierung stärker
00:22:29: auch in der Stadtgesellschaft präsent machen.
00:22:32: Eine Workshopleitende hat zum Beispiel gesagt, dass sie skandalös findet, dass etliche Straßennamen
00:22:38: nach Bismarck beispielsweise benannt sind und dass das als normal wahrgenommen wird.
00:22:42: Genau, wie können wir auch stärker verbreiten, dass Dekolonisierungsprozesse in der Stadtgesellschaft
00:22:50: besser sich verbreiten oder umgesetzt werden?
00:22:52: Vielleicht ist das eine Frage, die eher an dich auch gilt, Milufer?
00:22:56: Also ja, ich kann ja anfangen und nur bestätigen, dass das natürlich absolut in Deutschland
00:23:03: aber auch in Berlin in den Kindesschuhn stellt.
00:23:06: sozusagen. Also das ist ein Prozess, der jetzt erst eine Art Anlauf nimmt. Oder beziehungsweise
00:23:13: zivilgesellschaftlich schon lange natürlich verfolgt wird und auch schon einige Erfolge erzielen
00:23:19: konnte. Aber sozusagen, wenn man das gesamtgesellschaftlich betrachtet, ist das leider noch sehr gering, wie
00:23:25: das durchsickert, sage ich mal, in das allgemeine Bewusstsein in dieser Gesellschaft. Und ich denke
00:23:30: auf jeden Fall, dass Maßnahmen in der Stadt durch die die meisten Personen in der Stadt auch
00:23:36: das mitbekommen. Die sind sehr effektiv. Also das Verändern von Straßennahmen, von Benennungen,
00:23:42: von Statuen oder zumindest die kritische Diskussion über Statuen und Repräsentationen im
00:23:48: öffentlichen Raum. Das hat auf jeden Fall das Potenzial, diese Themen zu vergrößern und auch
00:23:53: eine gewisse allgemeine Aufmerksamkeit dafür zu schaffen. Und ich denke, das passiert auch. Und
00:23:58: ich würde mir auch wünschen, dass das sozusagen auch in der Stadtverwaltung mehr unterstützt und
00:24:03: auch selbst initiiert wird. Weil ich glaube, jetzt hat man auch gesehen, wie funktioniert das,
00:24:08: was ist das, was ist das zu sagen, die Linze, was muss man betrachten. Also eine Art von Lerneffekt
00:24:14: müsste es schon gegeben haben. Und ich denke schon, dass da die Verwaltung auch die Zivilgesellschaft
00:24:19: entlasten kann, zumindest was sozusagen Straßenumbenennungen betrifft. Das sollte jetzt irgendwie
00:24:24: ein Muster geworden sein, das kann man jetzt einfach machen, finde ich. Ich verstehe nicht,
00:24:29: warum da immer noch an jeder Stelle gekämpft werden muss. Ich finde das eigentlich unmöglich.
00:24:33: Das ist genau eine Stelle, wo man sagen könnte, hier müsste die Stadt einfach weitermachen. Und
00:24:37: dann kann sich die Zivilgesellschaft auch auf andere Dinge, die genauso problematisch immer
00:24:43: noch nachwirken, konzentrieren. Und das ist die eine Ebene, die vor allen Dingen auf dieser
00:24:49: Repräsentation Ebene der Stadt total wichtig ist. Aber die andere Ebene ist sozusagen die
00:24:54: Infrastruktur der Stadt. Also die Frage des Wohnens, die Frage der Bildung, die Frage der
00:24:59: Schulen, die immer noch ein Riesenproblem ist, was sozusagen die Kolonialität des Wissens betrifft,
00:25:05: was die soziale Ungleichheit betrifft, die in dieser Stadt immer noch weiter fortwirkt,
00:25:12: auch aufgrund kolonialer Denkweisen. Und da würde ich schon den Unterschied gerne noch mal kurz klären
00:25:19: wollen, dass eben zum einen gab es den deutschen Kolonialismus. Das war eine bestimmte Epoche,
00:25:24: an die muss ich erinnert werden. Und da müssen wir sozusagen ran an dieser erinnerungspolitischen
00:25:30: Fragen. Das andere ist das koloniale Denken und Handeln, was eben in dieser Zeit sich in allen
00:25:37: Ebenen dieser Gesellschaft eingeschrieben hat und die auch einer gewissen Veränderung bedarf und
00:25:44: die über diese Epoche hinweg bis heute wirkt. Und das sind oft auch sehr unsichtbare und sehr
00:25:50: normalisierte Dinge, wie zum Beispiel eben, was ich auch vorhin gesagt habe, wie man sich bestimmte
00:25:55: Stadtviertel anschaut oder mit welchen Methoden und Maßnahmen man an bestimmte Stadtviertel
00:26:00: rangeht und an andere nicht. Was man zum Beispiel immer noch fortwirkt hat mit diesem Paradigma
00:26:05: der sozialen Mischung, in Anführungszeichen, mit der man immer noch an Stadtquartiere rangeht,
00:26:10: die als zu migrantisch wahrgenommen werden. Was da alles an Problemen drinsteckt, die mit einer
00:26:15: Kolonialität und mit einem Rassismus innerhalb der Gesellschaft, innerhalb der Planungswissenschaften,
00:26:20: innerhalb der Architektur zu tun haben. Da sind wir noch ganz am Anfang, da hat sich eigentlich
00:26:24: noch nichts getan und das beeinflusst die Art und Weise, wie wir leben, ob wir noch in einem
00:26:29: Stadtviertel leben können oder morgen verdrängt werden, mit welchen Argumentationen und ob es
00:26:34: dafür Instrumente gibt, die Folgen der Verdrängung und der Gentrifizierung überhaupt auffangen zu
00:26:39: können. Und das sind glaube ich Dinge, die, ja, wo ich erhoffen würde, dass sich da auch mehr ändert.
00:26:45: Also auch der Produktion und Reproduktion von Wissen, was du ja auch mitunter benennst, da würde
00:26:51: ich auch das Wort nochmal an Anton geben und erinnere ihn an einen sehr schönen Beispiel,
00:26:57: was er bei der Konferenz gebracht hat, nämlich Bepläne, also Bebauungspläne gehören in den
00:27:03: Schulunterricht und das fand ich eigentlich ein sehr gutes Beispiel Anton und das ist halt auch eine
00:27:10: Art der Kolonisierung, dass halt Wissen neu gedacht wird und auch machkritisch hinterfragt wird und
00:27:18: wir uns auch in dieser Hinsicht dafür einsetzen, dass praktisches Wissen in den Schulen gelebt wird.
00:27:24: Aber was begegnet dir in Bezug auf diese Themen, Anton? Ja, danke, Sertas und danke auch für deine
00:27:31: klugen Einwände, Anni Lufa. Ich finde, das trifft es schon ganz gut, also dass wir die repräsentative
00:27:36: Ebene im Blick haben, aber ich würde nochmal eine Lanze dafür brechen, dass wir eben auch
00:27:40: wirklich ganz stark die buchstäbliche Produktion und Reproduktion des Städtebaus, der Architektur
00:27:45: auch wirklich in den Blick nehmen müssen. Deswegen sozusagen im Bereich Bildung muss
00:27:50: vieles tun, das Beispiel Bepläne oder Bebauungsprozesse stärker im Unterricht zu lernen, spielt ja eher
00:27:57: darauf an, überhaupt Menschen zu empowern, Menschen eine Selbstermächtigung zu ermöglichen,
00:28:03: also dass wir genau wissen, an welchen Stellen können eigentlich Menschen intervenieren. Das
00:28:08: setzt aber voraus, dass wir gleichzeitig eben genau an diese Flächennutzungsplanung,
00:28:12: Bebauungsplanung usw. ran gehen, weil das dann natürlich auch, wenn es das nochmal aufgreifen
00:28:17: nach ist, das ist in der spezifischen historischen Epoche gewachsen, dieses Wissen und da steckt ganz
00:28:23: viel Wachstumsgesellschaft, ganz viel Kapitalozen drin, ganz viel sozusagen Versiegelung, die direkt
00:28:30: diese Prozesse eingeschrieben ist. Deswegen würde ich sagen, wir müssen einerseits den Bildungsauftrag
00:28:35: stärken, wir müssen koloniale Epoche stärken, aber eben auch, wie eben schon benannt eben sozusagen
00:28:40: die dahinterliegenden kolonialen, wachstumsbezogenen, auf den sogenannten Fortschritt bezogene Denkenmuster
00:28:46: mal klarstellen und die eigentlich überwinden und das müssen wir im Bildungssystem tun,
00:28:51: das müssen wir auch in der Planung ganz klar tun und genau das ist mir ganz wichtig, um nochmal
00:28:57: auf den erst genannten Punkt eigentlich zurückzukommen, also wirklich die Produktion unserer
00:29:03: Stärke wieder ein Blick zu nehmen, da ist es für mich elementar wirklich zu schauen, was steckt in
00:29:08: dem Leitbild der europäischen Stadt, was steckt in dem Leitbild der nachhaltigen Stadt drin, an
00:29:14: kolonialen Denkenmustern und an kolonialen Kontinitäten und ich finde es wirklich erschreckend, wie
00:29:19: wenig das thematisiert wird auf den einschlägigen Fachkonferenzen. Das ist Fehlanzage auch zum
00:29:24: Thema Segregation eben auch schon benannt, das wird nicht reflektiert, dass das wirklich koloniales
00:29:29: Diarytype sind, die in diesen scheinbar Antissegregationsthematiken drinstecken,
00:29:35: in Bezug auf Mobilität, möchte ich nur nochmal hervorheben, das was jetzt gerade in Bezug auf
00:29:40: Wasserstoff an Staat gebracht wird in vielen Kommunen beruht auf der Fortsetzung kolonialer
00:29:46: Abhängigkeiten, also das sozusagen die Metabolismen, die der urbanen Stoffwechsel hinter diesen
00:29:53: Leitbildern dann auch genau das wiederum reproduziert, also hier auch der Lithiumabbau und der Schwenk
00:29:59: auf E-Mobilität ohne massiv eigentlich den Autoverkehr selbst zu reduzieren, das ist doch
00:30:04: alles völlig zu kurz gedacht und das ist eine extrem ungerechte Globalisierung, die hier
00:30:09: reproduziert wird, die ihre Wurzeln im Kolonialismus hat und zuletzt auch nochmal wir müssen über
00:30:15: diese Neubauziele beispielsweise sprechen, das ist einfach auch fatal, was das global bedeutet,
00:30:20: wenn wir 400.000 neue Wohnungen pro Jahr errichten wollen. Das war jetzt sozusagen
00:30:25: den letzten Jahres Staatsziel, das ist auch kommunal sozusagen natürlich unterschiedlich
00:30:29: gewichtet, wie sehr man Wohnungsnot mit Neubau tatsächlich in Griff bekommen kann. Ich glaube,
00:30:34: es ist nur ein wirklich ganz ganz kleiner Teil der Lösung für die Wohnungskrise, die Lösung
00:30:39: können wir auch gleich nochmal exziter besprechen, aber ansonsten sprengt das hier wahrscheinlich
00:30:43: den Rahmen, aber nur Neubau ist eine Scheinlösung, die eben auf unseren Denkungsstand der imprären
00:30:48: Lebensweise beruht und dann nur als Abschluss, da müssen wir wirklich auch über Akteure sprechen,
00:30:54: also Heidelberg Zement auch sozusagen mitverantwortlich für die Menschenrechtsverletzung in Indonesien,
00:31:00: die eben auch schon Anklang gefunden hatten und für extrem intransparente Lieferketten. Der
00:31:06: Beton, der hier maßgeblich verbaut wird, wird zum Beispiel durch Sohnelieferketten produziert und
00:31:12: abgebaut und jetzt nur dieser eine Konzern, der wird, wenn sozusagen alle so handeln würden wie
00:31:19: dieser Konzern, die Erde innerhalb dieses Jahrhunderts auf 10 Grad erhitzen. Also das ist sozusagen
00:31:26: einfach auch nochmal mit dazugehörig, dass die Profiteure der bisherigen Wertschöpfungsketten
00:31:32: dann nicht nur für diese kolonialen Abhängigkeiten sorgen, sondern auch halt maßgebliche Treiber
00:31:38: der Klimakrise sind und dann lokal immer extrem stark eingebunden sind in die jeweiligen Wachstums
00:31:44: Koalition. Das sind die Gruppen von Akteuren meistens zentrale Unternehmen und Konzerne und
00:31:50: sozusagen eine lokale Führungsregel, die eben sehr stark darauf aus ist, noch weiter Flächen zu
00:31:55: versiegeln, Segregation voranschreiten zu lassen und die bestehenden Krisen keins der Weise zu lösen.
00:32:01: Deswegen müssen wir ganz vorsichtig sein bei auch allen Formen von Scheinlösung, die uns im
00:32:06: Zuge von Nachhaltigkeitsstrategien auf kommunaler Ebene präsentiert werden. Genau, da würde ich
00:32:11: direkt anknüpfen wollen. Ich gehe da total mit und aus meiner Perspektive beispielsweise kann
00:32:16: ich eben sagen, dass zum Beispiel wird in der Architektur darauf reagiert auf diese Situation,
00:32:22: indem man von einer Bauwende spricht, also sozusagen anders bauen, mit Holz bauen und so
00:32:27: weiter und so fort und ich finde eben, dass das eben auch genauso wie Anton gesagt hat,
00:32:32: ein Teil einer Scheinlösung ist, ob wir jetzt mit Holz bauen, von dem wir nicht wissen, woher es kommt,
00:32:38: weil da die Lieferketten in Transparenz sind oder mit Beton spielt eben für die Menschen, die im
00:32:44: Regenwald leben und das Holz abtransportiert sehen, was da eigentlich gar nicht weggehen dürfte,
00:32:50: eben keine Rolle und solange wir das nicht wissen und solange wir in einer Welt leben,
00:32:55: in der eben sozusagen der Kapitalismus jetzt grün gefärbt wird, würde ich eben vielmehr für ein
00:33:01: Bauende plädieren. Es wurde schon genug an Ressourcen abgebaut, verschwendet, auch wenn das sozusagen
00:33:09: erstmal eine radikale Forderung ist, wir würden dann erstmal sehen, was es alles schon für Dinge
00:33:15: gibt, mit denen wir eben arbeiten können und bei dem ganzen Leerstand, den es gibt, also hier um
00:33:21: die Ecke steht ein Drittel von diesem neu gebauten Turm am Tempelhof verfällt seit einem Jahr leer,
00:33:27: weil die Mieten zu hoch sind. Wir haben genug Wohnraum, er ist vielleicht nicht so verteilt,
00:33:33: wie er sein sollte, aber wir haben genug Leerstehende Gebäude, wir haben genug Gebäude, die eigentlich
00:33:38: saniert werden müssten von den Uni Gebäuden, die hier jetzt leer stehen, weil sie seit 30 Jahren
00:33:44: nicht saniert wurden bis hin zu Schul- und Kita Gebäuden, die eigentlich in sich hin zusammenfallen,
00:33:49: müssen wir eigentlich vielmehr uns um das kümmern, was schon da ist, es besser verteilen, weil wir
00:33:54: haben ein Verteilungsproblem und kein sozusagen zählende Wohnungen und gleichzeitig eben die
00:34:00: wenigen Kapazitäten, die noch da sind auf dieser Erde, die müssen eigentlich an anderen Orten
00:34:06: verbaut werden, da wo Krankenhäuser noch fehlen, wo Schulen fehlen, wo wirklich Wohnraum fehlt, im
00:34:11: globalen Süden, das ist eben auch schon endlos durch sozusagen den IPCC-Bericht schon aufgezeigt
00:34:17: worden, dass es sozusagen woanders eigentlich diese Infrastruktur noch fehlt, aber wir hier
00:34:22: eigentlich an unseren fertigen Städten weiter bauen, indem wir abreißen und einfach immer
00:34:26: weiter verdichten, das muss eben einmal radikal verändert werden durch den Bauende im globalen
00:34:31: Norden. Das führt mich endlich zu der Abschlussfrage, die ich habe, also meine Frage wäre, wie die
00:34:39: Zivilgesellschaft besser dagegen auch agieren kann und meine Beobachtung ist, dass Resortenken
00:34:46: innerhalb der Verwaltung auch die Zivilgesellschaft strukturiert und im Grunde eine künstliche
00:34:53: Trennung zwischen unterschiedlichen Zweren produziert und reproduziert, die eigentlich
00:34:58: zusammen gedacht werden müssen. Also wir haben den Bereich der Stadtentwicklung oder Stadtteil
00:35:03: der Entwicklung, wo auch Fördertörfer dranhängen und bestimmte Förder mit Mechanismen eine Rolle
00:35:10: spielen. Wir haben den Bereich der Nachhaltigkeit oder der ökologischen Bewegung und natürlich
00:35:17: auch einen großen Aktörskreis in der Aktüre unterwegs sind, die sich um die Themen rund um
00:35:24: globale Gerechtigkeit formen. Was wir mit der Konferenz geschafft haben, war, dass wir Menschen
00:35:31: aus unterschiedlichen Zweren zusammengebracht haben und meine Frage an euch wäre, wie schaffen wir
00:35:38: in Zukunft stärker Themen übergreifend zu arbeiten oder auch die Zivilgesellschaft stärker zusammen
00:35:44: bringen und Themen besser zusammendenken? Vielleicht gibt es keine Lösung oder absolute
00:35:50: Lösung dafür, aber vielleicht Hinweise von euch. In der Initiative, in der ich aktiv bin, die Initiative
00:35:56: Hermannplatz, die sich vor fünf Jahren gegründet hatte eigentlich um den Abriss eines Warnhauses am
00:36:02: Hermannplatz zu verhindern, da war es von Anfang an so, dass wir genauso die antiressistische Bewegung
00:36:11: sozusagen Teil dessen war, wie die Antigentrifizierungsbewegung aufgrund dessen, weil sozusagen
00:36:17: der geplante Bau eben eine historische Referenz war und das hat eben so die Repräsentationsfrage,
00:36:23: die Ressismusfrage aufgemacht und die Themen haben eigentlich von Anfang an waren gemischt. Also es
00:36:28: geht nicht nur um Verdrängung, es geht nicht nur um den Ausverkauf der Stadt, es geht auch um die
00:36:33: Frage von Rassismus und es geht um die Klimafrage, weil es einfach absurd ist, was abzureißen und
00:36:38: etwas komplett Neues, größeres hinzubringen. Und was wir eben als Erfahrung gemacht haben, war, es gibt
00:36:44: sowohl sozusagen in der Medienrezeption als auch in der Politik und Verwaltung keinen Platz für solche
00:36:52: Schnittstellen anliegen. Also in den Medien wurde immer wieder nur ja das sind ein Gentrifizierungsgegner,
00:36:57: so wurden wir da sozusagen rezipiert in der Verwaltung genauso. Dann haben wir aber immer wieder gesagt,
00:37:03: ja aber es ist auch eine Klimafrage, also wir können das so nicht machen. Es gehört damit
00:37:08: dazu und es ist genau so eine Repräsentationsfrage in dem Moment, in dem sozusagen die Gentrifizierung
00:37:13: in Neukölln sehr stark mit rassistischen Motiven im Bezirksamt auch vorangetrieben wird,
00:37:19: können wir nicht einfach nur sagen, es geht nur um Gentrifizierung, es geht schon um die
00:37:23: Gentrifizierung von spezifischen Leuten, so wie sozusagen Heinz Buschkowski, das auch immer wieder
00:37:28: gesagt hat. Und wir wollten das nicht trennen und haben aber eben festgestellt, wir müssen
00:37:33: gegen enorme Hürden anarbeiten, um diese Position überhaupt sichtbar zu machen. Das ist eine sozusagen
00:37:39: der intersessionale Geschichte ist. Und eine der krassesten Sitzungen war, als wir eben von einer
00:37:46: politischen Partei eingeladen wurden, lassen uns mal einen Austausch kommen und immer wieder gesagt
00:37:51: wurde, aber versucht es mal auf ein Slogan runterzubrechen, worum es bei euch geht. Das war so,
00:37:57: entschuldige mal, aber wir sind keine politische Partei und vielleicht ist das auch teilweise euer
00:38:03: Problem, dass ihr immer alles auf ein Slogan runterkürzt und dann halt die Hälfte der Sachen
00:38:08: verloren geht. Aber so ist das eben sozusagen in dieser Aufmerksamkeitsökonomie. So bekommt man
00:38:14: dann halt eben Förderung oder halt eben nicht. Und ich denke, das ist aber eine ganz alte Frage,
00:38:19: also in den 70ern gab es schon in den feministischen Bewegungen sozusagen, die White Feminist,
00:38:25: dann gesagt haben, ja, nee, wir wollen hier an T-Aborgen uns entgegensetzen und dann kamen die
00:38:29: schwarzen Frauen, die aber gesagt haben, das ist aber nicht das einzige Anliegen und dann wird
00:38:33: es aber immer wieder runtergebrochen auf einen Anliegen. Und das ist ein Riesenproblem. Und ich
00:38:38: weiß nicht genau, wie wir daraus kommen, aber eine Sache, die ich mit Sicherheit weiß, ist,
00:38:42: dass das runterbrechen auf einfache Themen ist Teil des Problems. Weil dann fallen immer die Themen
00:38:48: durchs Raster, die für marginalisierte und unterdrückte Personen die Hauptanliegen sind. Das hat mit den
00:38:55: Mehrheitssituationen hier zu tun. Das hat aber auch mit der Aufmerksamkeitsökonomie zu tun,
00:39:00: die auf bestimmte Themen mehr anspringt als auf andere. Und wie man das lösen kann, weiß ich
00:39:06: nicht. Aber ich denke schon, dass es der richtige Schritt ist, in die Richtung Themen viel stärker
00:39:10: zu verbinden, sich nicht runter nageln zu lassen, sondern die Dinge weit aufzubreiten, so breit,
00:39:16: wie es nur geht, damit mehr Leute auch Platz darin haben. Also es sind echt interessante
00:39:22: Inspirationen, die ich so aus deinen Ausführungen mitnehme. Welch das du Anton noch ergänzen?
00:39:27: Ja, gern. Ich stimme erstmal im Prinzip jetzt zu, dass das in bestimmter Weise eigentlich nur
00:39:34: überwunden werden kann, indem wir uns angewöhnen, das zu wiederholen, dass das eben "One Struggle,
00:39:42: One Fight" ist. Dass es hier um die verschiedenen Seiten derselben Medaille geht, dass es hier
00:39:48: um Kämpfe gegen systemische Probleme geht. Selbst wenn das bedeutet, dass man tatsächlich mit seinen
00:39:56: Themen genau vielleicht nicht die Wahrnehmungen bekommt, mediale Art oder politische Art, die
00:40:01: man sich erhofft. Also das zumindest immer wieder zu nennen, das auf den Websites darzustellen,
00:40:07: das auf den Vernetzungskonferenzen als Themen-Tische zu haben und dann wieder zu integrieren, dass
00:40:13: auf Veranstaltungen wieder eurigen auch tatsächlich Leute mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln
00:40:17: mal miteinander ins Gespräch kommen. Anders funktioniert es gar nicht wirklich. Also es wird
00:40:23: nicht die übergreifende Vernetzung geben, die das schafft auf alle diese Probleme eine befriedigende
00:40:30: Antwort zu finden. Ich glaube, wir müssen da stetig dranbleiben. Ein weiteres Beispiel,
00:40:37: was ich jetzt neben dem eben schon benannten vielleicht nochmal darstellen wollen würde,
00:40:42: in aller Kürze die Höhrenden Kennaß sicherlich auch schon aus den letzten Jahren die Verbindung der
00:40:48: sozialen und ökologischen Kämpfe im Bereich Mobilität, wie es sozusagen von Verdi und
00:40:53: Fridays for Future praktiziert wurde, über Organizing, über immer wieder in die Betriebsversammlungen
00:40:59: gehen, mit den Busfahrer*innen reden, mit den Fahrgästen*innen reden. Und auch das würde ich sagen,
00:41:04: in einer medialen Wahrnehmung war das echt schwer für viele zu begreifen, dass das hier
00:41:10: tatsächlich um den bezahlbaren, gut ausgebauten, komfortablen ÖPNV geht, damit wir auch klimapolitische
00:41:19: Fortschritte erzeugen können, dass wir hier auch die Arbeitsbedingungen der abhängig Beschäftigten
00:41:25: in diesen Betrieben, den Nahverkehrsbetrieben auf dem Schirm haben müssen. Ich würde sagen,
00:41:28: das hat mitunter ganz gut funktioniert, ich glaube, von Ort zu Ort auch sehr unterschiedlich. Klima,
00:41:34: Streiks dann auch zu diesen Themen auszurichten und so weiter. Und auf der anderen Seite weiß ich,
00:41:38: dass das hier vor Ort beispielsweise bei den Thüringer Ortsgruppen auch zu extremen Problemen
00:41:44: und Schwierigkeiten geführt hat, also weil da dann tatsächlich ganz andere Gesprächs,
00:41:49: Diskussionskulturen, Densibilitäten für bestimmte Ausgrenzungsmechanismen, dass das erst mal
00:41:53: sichtbar und wahrgenommen wurde und dass das für die beteiligten Aktivist*innen zum Beispiel auch
00:41:59: von den Fridays for Future Ortsgruppen sehr belastend war teilweise. Also würde sagen,
00:42:03: da auch sichtbar wurde, wie weit rechtsextreme Strukturen in so gewerkschaftlichen Vorfeld-Situationen
00:42:10: eigentlich schon vorangeschritten sind in so der Deutsch-Hirifiri, wie jetzt hier in Teilen von
00:42:15: Thüringen beispielsweise. Also das will ich auch noch mal einführen als ein Beispiel, was ich eigentlich
00:42:21: sehr gelungen finde, aber wo man auch wirklich die Grenzen dessen sieht. Und genau, ich glaube,
00:42:26: vom Municipalismus Lernen heißt zumindest in Teilen Siegenlernen oder stärker den Fokus auch auf
00:42:34: die Erlangung von Handlungsmacht zu richten. Also hier zu überlegen, wie können sich auch bestimmte
00:42:40: Gruppierungen zusammenschuhen, um nicht als am Ende Partei zu landen, aber vielleicht als ne ganz
00:42:45: andere politische Kraft, die auch teilweise sogar wie in Barcelona eben das Rathaus für viele,
00:42:51: viele Jahre besetzen kann und wirklich extrem gute intersektionaler Arbeit auch dann in die
00:42:56: Verwaltung bringen kann. Also sozusagen da wirklich auch eine feministische, antirastische Haltung,
00:43:01: eben Verwaltungshandeln implementiert hat. Dass das auch nicht ohne Widersprüche geht,
00:43:06: ist klar. Momentan ist die Zeit in Barcelona auch leider abgelaufen, aber ich glaube der Blick
00:43:10: auf Municipalismus würde ich den Hörenden auf jeden Fall nochmal ans Herz legen wollen und zuletzt
00:43:15: auch hier in Deutschland ganz klar den Fokus auf die intermediaen Akteure. Also wir werden es am
00:43:21: Ende glaube ich nicht schaffen, dass alle die gleiche Sprache sprechen im Sinne von zivilgesellschaftlichen
00:43:28: Menschen oder Verwaltungsmitarbeiten. Das sind schon sehr unterschiedliche Handlungshorizonte. Auch
00:43:34: ich als Stadtrat bekommen das immer von beiden Seiten sozusagen mit und muss da so ein bisschen
00:43:39: übersetzen. Und genau, wir haben jetzt hier in Weimar zum Beispiel die Stadtverwicklung gegründet,
00:43:45: die sich anschickt nochmal stärker die relative Stadtgestaltung im Blick zu nehmen und dabei
00:43:51: eben auch Querschensthemen stärker zu positionieren, also Beteiligungskultur nicht nur als etwas,
00:43:56: was Menschen dann wahrnehmen können oder auch nicht, sondern wirklich die Struktur dahinter
00:44:01: im Blick zu nehmen, also Marginalisierung und Diskriminierungserfahrung mitzudenken. Das heißt,
00:44:05: wenn wir Beteiligungsveranstaltungen machen, dann gehen wir nicht mit dem Zettel umher oder laden
00:44:11: zu einer Veranstaltung ein und die, die kommen, sind dann genau die richtigen, weil das reproduziert
00:44:16: ja eigentlich nur ganz häufig das, was gesamtgesellschaftlich im Argen liegt, nämlich das alte,
00:44:21: weiße, eher Männer dann zu so einer Veranstaltung gehen können, sondern wir verbinden es mit
00:44:26: alltagsrelevanten Tätigkeiten. Also wir schauen dann schon auch sozusagen, kann man einen Stadtgespräch
00:44:32: verbinden mit einem Friseurbesuch, den man dann an der Stelle finanziert als Agentur oder mit
00:44:39: kostenlosem Essen, weil das sind einfach die Themen, die Menschen, die einfach unter supervielen
00:44:44: Zwängen zu leiden haben, beschäftigt und dann muss man sie dort treffen, wo genau diese Sachen
00:44:50: im Haarschnitt für die Kinder oder ein Essen am Tag, wo das einfach schon möglich ist und dann
00:44:57: kann man darauf aufbauen, über diese Probleme sprechen und das sind so die zahlkraften, ich
00:45:02: würde es gar nicht so sehr in Vordergrund stellen, das sind natürlich zahlkafte Versuche, wir
00:45:05: versuchen zu intermediären der zwischenstehenden Akteuren wieder diese Dinge rund um Beteiligungskultur
00:45:12: in Griff zu bekommen und genau an der Stadt für alle zu fallen. Es sind auf jeden Fall interessante
00:45:18: Hinweise und ja Inspirationen, die ihr glaube ich den Zuhörenden mitgebt. Ja wir sind aufs
00:45:25: heilig ganz schön stark vorangeschritten und von daher bedanke ich mich erstmal bei dir,
00:45:31: NiloV und bei dir Anton. Es war wirklich ein sehr interessantes Gespräch und ja ich bedanke mich
00:45:37: auch bei allen Zuhörenden, dass sie das Interesse hatten und diesen Podcast sich anhören. Wir haben
00:45:43: eine Online-Dokumentation gemacht zu der Konferenz, die ihr euch anschauen könnt und haben Interviews
00:45:50: getätigt mit Workshop-Leitenden. Die könnt ihr über diese Dokumentation dann auch erreichen und
00:45:55: rein hören und wird auch in der Klärung dieses Podcast verlinkt natürlich. Danke, dass ihr
00:46:01: dabei gewesen wart. Danke NiloV, danke Anton und auch einen herzlichen Dank an Cantara Production,
00:46:07: ein Joshua, der die Aufnahme begleitet hat. Ja vielen Dank euch. Ja vielen Dank.
00:46:12: So, ich bin ein Athlet.
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